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Neues Jahr, neue Markthöchststände?



Im Jahr 2017 haben Märkte in aller Welt Höchststände erreicht. Bedeutet dies nun, dass sich für Aktien negative Renditen erwarten lassen?

Um diese Frage zu beantworten, betrachten wir den größten Aktienmarkt der Welt durch einen seiner führenden Indizes: Der S&P 500 Index verzeichnete im Jahr 2017 an 251 Handelstagen 62 neue Schlusshochs. Der Index setzte seinen Erfolgskurs bis ins neue Jahr und in die ersten drei Januarwochen in 2018 fort, als dieser zehn neue Rekordschlusshochs an dreizehn Handelstagen verzeichnete, bis dieser Höhenflug Anfang Februar langsam zur Neige ging.

Es ist immer hilfreich, die folgenden Aspekte zu bedenken, vor allem wenn die Märkte neue Höchststände erreichen oder es so aussieht, als würden sie ins Wanken geraten:

  • Aktien haben täglich das Potential, höhere erwartete Renditen zu generieren, unabhängig davon, ob die Märkte ein Allzeithoch erreicht haben oder nicht.

  • Obwohl die erwarten Renditen immer positiv sind, sind positive realisierte Renditen nie garantiert und können von ihren Erwartungen abweichen.

Der Grund, weshalb wir ungeachtet des aktuellen Marktniveaus positive Renditen erwarten können, hängt damit zusammen, wie die Märkte Wertpapierpreise festlegen.

Aktienpreise sind das Ergebnis der Interaktionen einer Vielzahl an willigen Käufern und Verkäufern. Die aktuellen Preise spiegeln den diskontierten Wert der zukünftigen Zahlungsströme wider, den Käufer und Verkäufer erwarten. Jedoch herrscht Ungewissheit über diese zukünftigen Zahlungsströme von Aktien und es besteht ein potentielles Verlustrisiko für die Anleger. Wenn der Käufer einer Aktie die zukünftigen Zahlungsströme als eher ungewiss erachtet, wird er für die Aktie wahrscheinlich einen niedrigeren Preis zahlen wollen. Er wird nur dann kaufen, wenn der Preis ein Niveau erreicht hat, um eine positive Rendite erwarten zu können. Aus diesen Gründen gehen wir davon aus, dass die Preise auf den Aktienmärkten auf einem Niveau festgesetzt werden, auf dem die erforderliche Rendite für Anlagen in Aktien positiv ausfällt – ganz gleich ob der Markt auf einem neuen Höchststand, einem neuen Tiefststand oder irgendwo dazwischensteht. Warum sonst sollten Käufer auf dem Markt bereit sein, Transaktionen zu einem bestimmten Preis durchzuführen?

Ein Blick in die Vergangenheit zeigt uns, dass ein Marktindex, der ein Allzeithoch erreicht hat, den Anlegern nicht unbedingt aussagekräftige Informationen geliefert hat.

Abbildung 1: Höchststände des S&P 500 Total Return Index

Prozentsatz der Fälle, in denen der Index nach einem monatlichen Schlusshoch im Vergleich zu einem beliebigen anderen monatlichen Schlussstand höher ausfiel. Januar 1926 bis Dezember 2017


Nur zu Illustrationszwecken. Die durchschnittliche Wertentwicklung ist ein einfacher Durchschnitt aller positiven Renditen der analysierten Ein-, Drei- und Fünfjahres-Zeiträume. S&P Daten © 2018 S&P Dow Jones Indices LLC, eine Tochtergesellschaft von S&P Global. Alle Rechte vorbehalten. Man kann nicht direkt in Indizes investieren. Ihre Wertentwicklung enthält daher nicht die mit der Verwaltung eines tatsächlichen Portfolios verbundenen Kosten. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit stellt keine Garantie für zukünftige Entwicklungen dar.

Abbildung 1 zeigt die monatlichen Schlussstände des S&P 500 Index von Anfang 1926 bis Ende 2017. In den 1.103 beobachteten Monaten verzeichnete der Index in nahezu einem Drittel neue Schlusshochs. Einige Anleger dürfte dies nicht überraschen. Da die Märkte im Laufe der Zeit generell dazu tendieren, nach oben zu steigen, sollten neue Höchststände relativ häufig erreicht werden.

Angesichts dessen ist es sinnvoll folgende Frage zu stellen: Wenn ein Anstieg der Preise im Laufe der Zeit eine beunruhigende Entwicklung zeigen würde, was wäre dann der Grund überhaupt Geld anzulegen bzw. am Kapitalmarkt anzulegen?

Die ausgewerteten Marktdaten zeigen, dass der prozentuale Anteil der Fälle, in denen der Index nach einem neuen Markthoch höher oder niedriger ausfällt, im Vergleich zu vorherigen Preisniveaus in etwa gleich war (auf einer Ein-, Drei- und Fünfjahresbasis). Mit anderen Worten: Positive und negative Renditen machten im Nachhinein tendenziell einen ähnlichen Anteil an den Renditen aus, ganz gleich ob ein neuer Höchststand erreicht wurde oder nicht.

Im Beobachtungszeitraum von drei Jahren lag der Index in etwa 84% der Zeit höher, und zwar sowohl nach einem neuen Schlusshoch, als auch nach jedem anderen früheren Preisniveau. Zudem zeigen uns die Daten, dass die nach diesen Höchstständen verzeichnete durchschnittliche Rendite ähnlich ausfiel wie nach einem beliebigen anderen Niveau. So betrug etwa im Beobachtungszeitraum von drei Jahren die durchschnittliche kumulative Rendite nach einem neuen Höchststand 51,1%, nach jedem anderen Niveau hingegen 51,8%. Historisch betrachtet zeigen diese Ergebnisse, dass neue Indexhöchststände keine nützlichen Anhaltspunkte für die Vorhersage zukünftiger Renditen liefern.

Anleger sollten aus einem weiteren Grund vorsichtig sein, wenn sie ihren Ansatz bei einem Allzeithoch überdenken: Möglicherweise entstehen bei solchen Portfolioumschichtungen Opportunitätskosten. Im letzten Jahr erzielte der S&P 500 Index eine Rendite von über 20%, und trotzdem begann das Jahr 2018 mit drei neuen Markthöchstständen während der ersten 20 Handelstage (1). Anlegern, die auf die neuen Höchststände mit dem Verkauf von Aktien reagiert hätten, wären eventuell beträchtliche Opportunitätskosten entstanden.

Es gibt kein zuverlässiges Verfahren um vorherzusagen, wann Aktien positive oder negative Renditen verzeichnen. Während die langfristige Durchschnittsrendite des US-amerikanischen Aktienmarkts seit 1926 etwa 10% betrug, weichen die Ergebnisse von Jahr zu Jahr häufig stark von diesem historischen Durchschnitt ab (2). Anleger, die von dem profitieren wollen, was die Aktienmärkte ihnen langfristig bieten, sollten ihrem Investmentansatz treu bleiben und weiterverfolgen, anstatt aufgrund kurzfristiger Marktentwicklungen Änderungen vorzunehmen.

Zusammenfassung

Die Frage, ob neue Markthöchststände auf einen fallenden Aktienmarkt hindeuten, ließe sich auch allgemeiner formulieren: „Ist dies ein guter Zeitpunkt zum Anlegen?“. Die Anhaltspunkte deuten darauf hin, dass Sie sich bei der Beantwortung dieser Frage nicht auf die aktuelle Marktlage stützen können. Stattdessen hängt eine angemessene Antwort stark von der individuellen Situation des Anlegers und seinen Vorstellungen bezüglich Risiken und Renditen ab (3). Für Anleger, die eine Ausrichtung in den Aktienmarkt für angemessen halten, dürfte ein disziplinierter langfristiger Investmentansatz eine bessere Vorgehensweise sein, als auf neue Markthöchststände zu reagieren.

(1) S&P 500 Index-Daten © 2018 Dow Jones Indices LLC, eine Tochtergesellschaft von S&P Global. Alle Rechte vorbehalten.

(2) Gemessen am S&P 500 Index

(3) Mehr zu diesem Thema finden Sie in unserer Ausarbeitung vom 05. Oktober 2017 „Der ungewöhnliche Durchschnitt“


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